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Traditionelle Merkmale verständlich erklärt

Funktionen und Aufbau eines Laguiole Messers

Das Laguiole Taschenmesser ist ein klassisches französisches Klappmesser, dessen Aufbau und Funktionen sich im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelt haben. Je nach Ausführung kann ein Laguiole Messer neben der Klinge zusätzliche Werkzeuge besitzen, die ursprünglich aus dem Alltag der Menschen im Aveyron entstanden sind.

Die Klinge - Ursprung und Grundfunktion

Die ältesten Laguiole Messer waren reine Klappmesser mit einer einzigen Klinge. Als Vorbild diente ein spanisches Taschenmesser, die sogenannte Navaja, welche reisende Händler aus Nordspanien in die Region brachten.

Um 1830 entwickelte der Schmied Pierre-Jean Calmels einen Mechanismus, der bis heute typisch für das Laguiole Messer ist: den Slipjoint. Dabei wird die Klinge durch eine starke Feder sowohl im geöffneten als auch im geschlossenen Zustand sicher gehalten - ganz ohne Arretierung.

Aus der Verbindung von spanischer Klingenform und diesem Federsystem entstand das erste klassische Laguiole Messer, das sogenannte Laguiole Droit, ausgestattet ausschliesslich mit einer Klinge.

Der Dorn - praktisches Werkzeug für Land und Handwerk


In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Laguiole Messer um ein weiteres Werkzeug ergänzt: den Dorn.

Dieses Hilfsmittel war besonders bei Viehhändlern, Hirten und Fuhrleuten verbreitet. Bei Nutztieren wie Rindern oder Schafen konnte es bei Verdauungsstörungen zu gefährlichen Gasansammlungen kommen. In Notfällen diente der Dorn dazu, den Bauchraum gezielt zu punktieren und Druck abzulassen.

Darüber hinaus war der Dorn ein nützliches Werkzeug für handwerkliche Arbeiten, etwa zum Stechen von Löchern in Leder bei Zaumzeug oder Geschirren.

Der Korkenzieher - Zeugnis der Auswanderung

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts verliessen viele junge Männer aus dem Aveyron ihre Heimat, um in Städten wie Paris Arbeit zu finden. Besonders gefragt waren sie in der Gastronomie oder als Getränkehändler.

Da verkorkte Flaschen zum Alltag gehörten, wurde das Laguiole Messer um ca. 1880 um einen Korkenzieher erweitert. Diese Funktion machte das Messer endgültig zum vielseitigen Begleiter im Berufs- und Alltagsleben.

Bauarten - je nach Ausstattung

Aus der Kombination von Klinge, Dorn und Korkenzieher ergeben sich mehrere klassische Bauformen:

- 1-teilig: nur Klinge
- 2-teilig: Klinge und Dorn
- 2-teilig: Klinge und Korkenzieher
- 3-teilig: Klinge, Dorn und Korkenzieher

Welche Variante gewählt wird, ist bis heute eine Frage des persönlichen Geschmacks und Einsatzzwecks.

Aufbau eines Laguiole Taschenmessers

Ein Laguiole Messer besteht aus zahlreichen präzise gefertigten Einzelteilen, darunter:

- Griffschalen links und rechts
- Platinen, welche die Mechanik einfassen
- Feder (Ressort)
- Klinge
- Dorn (falls vorhanden)
- Nieten sowie vordere und hintere Backen

Die Qualität der Verarbeitung dieser Komponenten bestimmt massgeblich Wert, Stabilität und Langlebigkeit des Messers.

Grössenangaben - was bedeuten 11 cm oder 12 cm?

Die Grösse eines Laguiole Messers wird traditionell in Zentimetern der Grifflänge angegeben.

- Kleine Modelle ab ca. 7 cm (z. B. Schlüsselanhänger)
- Gängige Grössen: 11 cm und 12 cm
- Sondermodelle bis über 20 cm

Am beliebtesten sind:

- 11-cm-Modelle: handlich, ca. 9 cm Klingenlänge, oft von Damen bevorzugt
- 12-cm-Modelle: ca. 10 cm Klingenlänge, gut geeignet für eine durchschnittliche Männerhand

Biene oder Fliege - Symbolik am Griffende

Die kleine Verzierung am Übergang von Griff zu Feder wird je nach Region Biene (Abeille) oder Fliege (Mouche) genannt. Beide Bezeichnungen sind gebräuchlich.
Historisch gesehen war dort zunächst oft nur eine schlichte Metallfläche vorhanden, die als Anschlag für die Klinge diente. Die dekorativen Motive setzten sich erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts durch, als das Laguiole Messer auch im Bürgertum an Beliebtheit gewann.
Wichtig:
Ein echtes Laguiole Messer muss keine Biene tragen.

Neben der Biene existieren zahlreiche traditionelle Symbole, etwa:

- Jakobsmuschel
- Freimaurersymbole
- Katharerkreuz
- Okzitanisches Kreuz
- Glücksklee
- Bourbonenlilie
- und heute viele, unterschiedliche Fantasieformen

Geschweisste oder geschmiedete Biene

Die Biene kann auf zwei Arten gefertigt sein:
- Aufgeschweisst auf die Feder (erkennbar an einer feinen Trennlinie)
- Aus einem Stück geschmiedet mit der Feder

Besonders hochwertige Laguiole Messer besitzen eine geschmiedete Feder mit integrierter Biene.

Platinen - schlicht oder kunstvoll verziert

Die Platinen bilden das Rückgrat des Messers und umschliessen Feder und Klinge. Je nach Ausführung unterscheidet man:

- Einfache Platine, glatt
- Ziselierte Platine, von Hand verziert
- Doppelplatine, aufwendig gearbeitet und verziert

Je kunstvoller die Platinen, desto höher ist in der Regel der handwerkliche Aufwand - und damit auch der Wert des Messers.